Die Übertreibung nimmt Ihren Lauf – Finaler Ausverkauf hat begonnen

Die Situation heute Morgen

  • Die Entwicklungen rund um das Corona Virus treten in den Hintergrund. Entscheidend für die Märkte ist die Entwicklung des Ölpreises.
  • Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen der OPEC und Russland, hat sich Saudi-Arabien entschieden den Ölmarkt mit billigem bzw. subventionierten Öl zu fluten, um so langfristig Marktanteile zu gewinnen. Heute Morgen verbilligte sich der Ölpreis von USD 42 auf gegenwärtig USD 27. Ein historischer Preisrückgang in einer Nacht um USD 17.
  • Die bereits verunsicherten Trader und Spekulanten mussten deshalb gehebelte Positionen glattstellen und Risiken in den Portfolios weiter reduzieren. Dies vor dem Hintergrund bereits verunsicherter Märkte, aufgrund der Unsicherheiten rund um das Corona Virus. Übertreibungen sind die Folge.
  • Die globalen Aktien-Futures sind gegenwärtig zwischen 5% und 8% im Minus, teilweise wurde der Handel ausgesetzt. Im Gegensatz dazu sind die 10-jährigen US-Staatsanleihen auf einen Zinssatz von 0.5% gefallen und unterschreiten damit den FED-Fund Zinssatz von 1.00% deutlich. 

Wie die Märkte die Zukunft einschätzen

Aufgrund des Corona Virus und des Zusammenbruchs des Ölpreises impliziert der Anleihenmarkt gegenwärtig eine globale Rezession, die länger anhalten wird. Ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft ähnlich wie an der Finanzkrise im Jahr 2008 wird mit immer grösserer Wahrscheinlichkeit als Basisszenario in den Kursen antizipiert.

Ausserdem wird von Kreditausfällen und Zahlungsausfällen bei Anleihen, aufgrund einer globalen Rezession, im grossen Stil ausgegangen, insbesondere da die Ölbranche eine der kapitalintensivsten Branchen ist, die gleichzeitig stark über Fremdkapital finanziert ist. Dies wiederum hätte stark negative Folgen für die Finanzinstitute und das Finanzsystem.

Spekulanten und Trader erwarten eine baldige (weitere) Reaktion der Nationalbanken. Eine weitere Zinssenkung in den USA um 0.5% wird erwartet. Ausserdem gibt es Anzeichen, dass erstmals auch auf die sog. Modern Monetary Theory zurückgegriffen werden könnte und den Bürgern direkt vom Staat Geld geschenkt werden könnte. Der australische Ministerpräsident Scott Morrision erwog diesen Schritt bereits, jedoch sträuben sich offensichtlich die Finanzbehörden gegen diesen drastischen Schritt momentan noch.

So weit so gut: Die Realitäten aus den Augen verloren
Das Glattstellen von auf Kredit finanzierten Positionen, das durch das billige Geld der Nationalbanken gefördert wurde, führt unweigerlich zu Verwerfungen und massiven Fehleinschätzungen der Lage. In der Folge werden Anlageentscheide getroffen, die den momentanen Schmerz aufgrund der Kursverluste zwar lindert, aber bereits in einigen Monaten sich als falsch und kostspielig herausstellen könnten.

Bewertung: Das Virus ist in China auf dem Rückzug, in Südkorea kommen seit zwei Tagen nur noch wenige Neuansteckungen hinzu und im Rest der Welt sind momentan ca. 35000 Personen infiziert. Davon konnten einige Tausend inzwischen wieder geheilt werden und der Verlauf der Krankheit ist in den meisten Fällen eher harmlos. Die Produktion und der Einzelhandel in China fangen wieder an, Tempo zu gewinnen. Damit werden sich gewisse Lieferengpässe mit der Zeit normalisieren. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Einfluss auf die Wirtschaft deshalb temporär sein wird und die Unternehmensgewinne, vor allem 1. Quartal und 2. Quartal, betroffen sein werden. Da jedoch die Unternehmensbewertungen vor allem auf sog. Discounted Cash-Flow Modellen beruhen und die zukünftigen Gewinne auf die Gegenwart abdiskontiert werden, ist ein Gewinneinbruch für zwei Quartale verkraftbar. Zudem haben sich die absoluten und die relativen Bewertungen von Aktien gegenüber dramatisch verbessert. Die Aktienrisikoprämie ist auf extrem attraktive Niveaus gestiegen.

Realwirtschaft: Die wirtschaftliche Entwicklung in den entwickelten Ländern lässt bis heute noch keinen dramatischen Abschwung befürchten. Jedem dürfte jedoch klar sein, dass einige Branchen in Mitleidenschaft gezogen werden und entsprechend die globalen Wachstumszahlen belasten werden. Während der tiefe Ölpreis gegenwärtig negativ interpretiert wird, hat er auch sehr positive Folgen für die Konsumenten, in dem sie mehr Geld für anderweitige Ausgaben zur Verfügung haben werden. Dieser Effekt ist bis jetzt zwar nicht erkennbar, aber hat in der Vergangenheit immer wieder seine Wirkung gezeigt. Ausserdem ist der wichtige US-Arbeitsmarkt bis heute in einer robusten Verfassung, dies zeigten zumindest die am letzten Freitag veröfffentlichten Arbeitsmarktdaten für den Monat Februar.

Geldpolitik: Der fallende Ölpreis weist einen inflationsdämpfenden Effekt auf. Zudem ist die Geldversorgung weiterhin hoch und dürfte von den Notenbanken nochmals ausgeweitet werden. Damit sollte ein Liquiditätsengpass im Finanzsystem verhindert werden können. Weitere Zinssenkungen werden nochmals mehr für Aktienengagements sprechen.

Entsprechend attraktiv stellt sich die Situation aus fundamentaler Sicht dar. Parallelen zu früheren Crashsituationen werden erkennbar. 

Marktpsychologie: Gemäss unserem Risikoappetit-Indikator hat ein Absturz der Stimmung extrem schnell und in extremem Ausmass stattgefunden. Dies führt zu einer markant überverkauften Situation, die sich früher oder später bereinigen wird. Da es zu keiner Zwischenerholung bei den Kursen kam, ist die Situation noch stärker überverkauft als im Jahr 2008. Auch unser Trenderkennungsmodell Turnings-Points bestätigt diese Einschätzung.

Basierend auf den obigen Einschätzungen, halten wir an den Aktienpositionen fest und halten es für falsch nun Positionen abzubauen. Es scheint sich vielmehr um einen sogenannten «Wash out» zu handeln.